Das war die Buchmesse Leipzig.
Ein völlig unrepräsentativer Bericht wird jetzt folgen, denn zu den angekündigten Highlights wollte ich es gar nicht schaffen. Die sind mir meist zu sehr hochgejubelt. Häufig ohne einen Grund dafür. Oder wer reihte Nina H. unter “Autorinnen” ein?!
Donnerstag
Für mich waren es vier sehr intensive Tage. Das fängt schon mit den acht Stunden Zugfahrt an, die zwischen Wien und Leipzig liegen. Auf der Hinreise zweimal interessante und nette Mitreisende gehabt, der erste Herr ein Kollege – Journalist aus Norddeutschland.
Gegen 17h checkte ich dann endlich in meinem Hotel ein – bei einer in Wien geborenen Rezeptionistin, die alledings schon im Kindesalter “ausgewandert” war. Der Weg war leicht gefunden, immerhin habe ich mich vorbereitet wie nur was und hatte die genaue Beschreibung, welche Tram (so heißt dort die Bim) ich nehmen muss – dank Leipziger Verkehrsbetrieben kann man sogar den Fahrplan / die Dauer der Fahrt im Netz finden. Erstmals erlebt: “Sie bekommen keinen Schlüssel. Sie bekommen auch keine Karte.” Mein Gesicht muss ein ganzes Fragenlexikon gewesen sein bei der Ankündigung. “Sie bekommen eine Nummer.” Fazit: Das war super, weil man keinen Schlüssel verlieren kann oder dauernd sucht, sondern nur die Nummer und die hatte ich mir sogar eingeprägt.
Rasch ging es nun wieder zurück in die City zur Lesung von Hans-Jürgen Rusch, einem Verlagskollegen, den ich über das Autorenforum Montsegur kannte. Vorbei an verfallenden Mauern und Zäunen ging es … in die überaus edle Kanzlei von Dr. Fingerle, wo das Buch “Gegenwende” präsentiert wurde. Ein sehr deutsches Thema, entsprechend lief auch die Diskussion nach der Lesung. Da zeigt sich rasch, wie emotional das Thema für die Menschen in Deutschland immer noch ist … und wie anders die Veränderungen von 1989 und danach in Österreich präsent sind.
Nach der Lesung gab es Butterbrezeln (ist das jetzt typisch Leipzigerisch?), Umtrunk und lustige Gespräche ua. mit Verlagsleiter Armin Gmeiner und weiteren Autoren. Man sah die Österreicher als trinkfest – gemein, war ich doch die einzige Österreicherin, die das beweisen oder widerlegen hätte können. Bevor ich in Beweisnot gekommen wäre – gefährlich in einer Anwaltskanzlei! – verabschiedete ich mich und marschierte durch die hübsche nächtliche Innenstadt Richtung Bahnhof.
Freitag
Der Freitag war “Messetag extrem”. Auf dem Weg überall Plakate mit Buch-Bezug, ist das schön!
Auch in den Öffis jede Menge Lesende, einer hörte nicht mal zu lesen auf, so gebannt war er, obwohl der Fahrkartenkontrolleur kam.
Vor dem Piper-Stand lief mir gleich die Wiener Autorenkollegin Berta Berger (deren Thrillerdebüt “Der Augenschneider” ich sehnlichst erwarte!) in die Hände – besser gesagt, sie rief mir nach, als ich an ihr vorbeizischte, um den Stand von Gmeiner aufzusuchen. Unterhielt mich ein wenig mit Lektorin Claudia Senghaas und Pressemitarbeiter Frank Liebsch. Fazit: Cover für zweiten Krimi steht mehr oder weniger, und auch der Inhalt, sprich, das Manuskript braucht nur mehr kleine Korrekturen. Heureka!
Als nächstes wäre eigentlich das Twittagessen auf dem Plan gestand – allein, kein Cafe West in Sicht und auch keine Twitterer. Und kein Handyempfang in der hübschen, zentralen Glashalle. Nun denn, ich zog mich ins Pressezentrum zurück, erholte mich ein wenig, machte mir Notizen. Das kleine Netbook von Asus lässt sich ja mit seinem Gewicht von knapp über 1 Kilo wirklich überall hin mitnehmen. Nur eins war arg: W-Lan-Zugang auf der Messe hätte 13 Euro gekostet – pro Tag! Glücklicherweise bin ich nicht internetsüchtig, und mein Hotel hatte sowieso Gratis-Zugang, sodass ich jeweils abends (nachts in Wahrheit) kurz reinschaute.
Ein Weilchen später lud der Wiener Autorenstammtisch zum Meet & Greet am Stand von Richard Breuer und Kollegen. Als Gastgeber mit Wiener Süßigkeiten mit dabei: Berta Berger, Claudia Toman und meinereine.
Von Mozartkugeln und Mannerwürfeln naschten unter anderem: Carsten Tergast, Julia Abrahams (bei der mein kriminalistisches Gespür aussetzte, obwohl ich ihr Foto kannte), Nina Behrmann, Eva Jancak und Holger Reichard alias Wortmax. Meine liebe Berliner Krimikollegin Anja Feldhorst(“Teufels Genossen”, unbedingt lesen!) besuchte uns ebenfalls gut gelaunt, enthielt sich aber des Schokoladengifts.
Danach noch schnell die Lesung/Diskussion mit Andreas Franz erlebt, bei dem es auch um die Sympathie des Autors für den Auftragsmörder im neuesten Buch ging. Sehr witzig!
Am selben Abend trafen sich Autoren aus dem Forum Montsegur – es wurde gejubelt, gefachsimpelt und einigermaßen gut gegessen und getrunken.
Samstag
Ein bisschen Pause, sonst eine Art Lagerkoller. Trotz Regen zunächst den Zoo besucht, kleiner Tiger im Gelände der großen Tiger … Bisschen Stadtbesichtigung, bisschen faulenzen.
Die Lesung mit Brigitte Riebe war leider wegen Krankheit abgesagt. Stattdessen entdeckte ich zufällig ein Museum, wo früher die Stasi logierte – interessant, leider nur mehr kurz geöffnet. Anschließend ging es zum Abendessen mit den Mörderischen Schwestern, ehe wir am selben Abend im Theater fact lasen. Wow, die wartende Menschenschlange vor dem Eingang war gewaltig! Und es wurde eine wunderbare Ladies Crime Night, mit wunderbarem Mikrophon (nein, das ist nicht selbstverständlich), und einem ziemlich lauten Schuss am Ende jeder Lesenden (die ja bei der LCN nur jeweils 6 Minuten lesen dürfen).
Sonntag
Der Sonntag, ja. Ein bisschen Melancholie des bevorstehenden Abschieds, ein bisschen Sehnsucht nach zuhause – und das vermischt sich dann so eigenartig. Das ist bekannt, und trotzdem jedes Mal komisch. Nochmals zur Messe, wo es vom Menschenandrang her erträglich war. Zwei höchst interessante Interviews am Blauen Sofa der ARD:
Kristof Magnusson (“Das war ich nicht”). Zum Schluss wurde er gefragt, ob man schreiben lernen könne. Antwort: Musikgefühl kann man jemandem auch nicht beibringen, sehr wohl aber Tonleitern.
Und Matt Beynon Rees, der aus Wales stammt, aber Kriminalromane mit einem palästinensischen Detektiv schreibt. Hochinteressant!
Danach lief mir rein zufällig Claudia Toman entgegen – wieder beim Piper Stand, das hat was.
Und dann war’s Zeit, zum Bahnhof zu fahren …
Schön war’s, interessant war’s und eine soziale Sache für eine stubenhockende Autorin.
Und hier erwartete mich auch der Frühling! Erste grüne Spitzen im Fensterkisterl. Juhu!















Hallo Anni,
– war aber ziemlich in Eile und als ich dich nicht sah, bin ich gleich wieder weitergelaufen. Wird schon noch mal was werden mit einem Treffen. Vielleicht besuchst du ja mal deinen Verlag, dann wäre es ein Katzensprung zu mir. Vielleicht bin ich ja auch mal in Wien.
schade, dass es nicht geklappt hat mit einem Treffen. Ich bin auch nur mal kurz beim Twittagessen vorbeigelaufen – immerhin habe ich es gefunden
Weiterhin viel Erfolg!
Matthias
Ìrgendwann, irgendwo werden wir uns übern Weg laufen, ganz bestimmt. Und wenn ich Dich zur Buchpräsentation einlad im Juli!! Bodensee ist dzt. weniger geplant … aber auch verlockend.