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Szenen schreiben

6. Februar 2009

Es soll ja Leute geben, für die ist die lange Form nicht geeignet. (Während ich mich eher nicht kurz fassen mag, aber das ist ein anderes Thema.) Eva Jancak erwähnte in ihrem „Literaturgeflüster“, dass sie schon nach relativ kurzer Zeit mit ihrem Romanprojekt fertig sei – also weniger Seiten geschrieben hatte, als vorab gedacht.

Da sitzt man dann und rätselt, was man vielleicht vergessen hat zu beschreiben, oder wo noch etwas hinzuzufügen wäre. Des Rätsels Lösung ist jedoch oft eine simple, die man vor allem in der Euphorie einer neuen Geschichte, eines neuen Romanprojekts gern übersieht: Man schreibt mehr Zusammenfassung als Szenen.

Eine Szene, was ist das?

Ich bezeichne Szene als das, was von Anfang bis Ende eines Ereignisses dauert: Das könnte ein über fünf Stunden dauerndes Gespräch ebenso sein wie der Moment, in dem jemand auf der Straße von einem Auto angefahren wird bis zum Eintreffen der Rettung oder sogar darüber hinaus.

Aber die Definition von „Szene“ ist gar nicht das Wesentliche an der Sache. Das Entscheidende ist: Wie schreibe ich eine Szene? Mache ich eine Szene aus dem ganzen Gespräch? Oder macht die Szene „nur“ die wichtigen Momente einer unerwarteten Enthüllung im Gespräch und die Reaktion der anderen Person aus?

Entsprechend wird die Szene entwickelt:
Was will ich mit dieser Szene im Rahmen meines Textes aussagen?
Wo soll sie beginnen, wo aufhören?
Wer sagt was?
Was ist für mich das Wichtige an dieser Szene?
Wie sieht es am Ort des Geschehens aus?
Dazu kommen Dinge wie das Erzähltempo, der Sprachfluss, die Musik, der Rhytmus dieser Szene.

Eigentlich entspricht die Szene in etwa dem, was wir gern im Gespräch an Erlebtem wiedergeben: „Und dann habe ich … und er sagt … und auf einmal …“

Statt zu schreiben „Und damals versuchte sie, sich als Regisseurin einen Namen zu machen …“ könnte ich also auch eine Szene einbauen, in der diese Figur ein Erlebnis hat, das mit der Karriere als Regisseurin zu tun hat. Das kann ja auch eine kurze Szene sein. Auch Rückblicke vertragen es, als Szenen dargestellt zu werden. Wichtig ist, dies im erzählerischen Stil vom anderen Text abzusetzen, aber auch optisch (als Kursivschrift oder durch ein paar Sternchen zwischen den Abschnitten). Im Film sind Rückblicke jene Szenen, die unscharf, oft schwarz-weiß daher kommen …

Aber bei all möchte ich aber betonen: Habt Mut zum eigenen Stil. Der soll verständlich sein und LeserInnen erreichen und alles. Aber nachgemacht ist immer nur die Kopie, manchmal die vierte, fünfte oder x.te. Also viel Spass beim Szenenschreiben!

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One Comment leave one →
  1. 28. Februar 2010 21:20

    Danke für die Erklärung. Ich muss zugeben, ich mache es mir gerade bei der Sache mit Szenen immer die größten Probleme, weil ich mir einfach zu viele Gedanken mache und am Ende schaffe ich es geflissentlich mich verrückt zu machen.

    Ich sage mir auch immer: Mut zum eigenen Stil. Aber das ist gerade bei Leuten schwierig es ihnen zu sagen, wenn sie noch keinen eigenen Stil entwickelt haben.

    Daher erlaube ich mir diesen Satz ein wenig zu ergänzen: Hab Mut zum eigenen Stil, hab Mut deinen eigenen Stil zu entwickeln und hab Mut deinen eigenen Stil zu ändern.

    Danke 🙂

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