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Der Unterschied

30. August 2010

Der Unterschied zwischen Journalismus und Bloggen, zwischen redaktionellen Artikeln und Meinungsverbreitungen im Internet: In jeder Redaktion gibt es Qualitätskontrollen. Wenn der Redakteur einen Artikel abgibt, hat er zuvor das Thema seines Artikels von mehreren Seiten beleuchtet. Er hat diverse Stimmen dazu eingefangen und die Fakten immer und immer wieder überprüft. Check und Gegencheck also. Sind die Ansichten konträr, konfrontiert man beide Seiten mit den unterschiedlichen Aussagen.

Nach der Abgabe liest diesen Artikel zunächst der Ressortchef. In den Qualitätszeitungen gehen alle Geschichten zudem durch mindestens eine weitere Schleuse: den Chefredakteur und/oder den Chef vom Dienst. Ist die Story abgesegnet, wird sie auch noch korrekturgelesen – Korrektoren lesen auf Rechtschreibung und Grammatik.

Dann, und wirklich erst dann, wenn der Text alle Instanzen erfolgreich passiert hat, erscheint ein Artikel im Blatt.

Und genau das fehlt im Internet.

Und falls jetzt jemand mit dem hehren Wörtchen ‚Zensur‘ wacheln will: Nein, das ist nicht Zensur. Zensur wäre, wenn Themen als nicht opportun abgestempelt und aus dem Blatt ferngehalten werden würden.

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5 Kommentare leave one →
  1. 31. August 2010 10:43

    Liebe Anni,
    eine hehre Vorstellung vom Journalismus hast du da. Sollte es bei euch so sein, kann ich nur sagen: felix Austria! Qualitätskontrolle? Faktencheck? Stories werden mindestens vom Ressortchef geprüft, im Idealfall sogar noch CvD? Ich kenne keinen Journalisten in D-Land – und ich kenne viele! – der heute noch unter so paradiesischen Umständen arbeitet. In den absoluten Spitzentiteln (in Deutschland maximal drei oder vier) mag man sich diesem Ideal noch annähern, in den vielen kleinen und vor allem in den großen „Meinungsmedien“ sind die Produktionsprozesse gänzlich andere.
    Selbst die Rechtschreibkorrektur ist in den meisten Tageszeitungsredaktionen längst ageschafft.

    Im übrigen: Die meisten Blogger verstehen sich als Kommentatoren. Durch sie wurde eine völlig neue Öffentlichkeit für Diskussionen geschaffen und die besten unter ihnen treiben inzwischen die klassischen Printmedien in Sachen Qualität vor sich her.

    Viele Grüße vom Bodensee
    Matthias

  2. Gudrun permalink
    1. September 2010 10:54

    Liebe Anni,

    auch ich habe einen weitgehend anderen Eindruck vom Journalismus gewonnen als du und könnte viele Beispiele nennen, wo (manchmal durchaus auch in Qualitätsmedien) schlicht falsche und also mangelhaft überprüfte Fakten wiedergegeben werden.

    Der wesentliche Punkt ist aber für mich der: du sagst, die Instanzen FEHLEN im Internet, ich sehe das als Demokratisierung. Jeder kann seine MEINUNG einbringen, und trägt damit zu einem vielfältigeren Bild bei. Natürlich steht deshalb auch jede Menge Unsinn im Netz. Aber die Vorteile überwiegen meiner Ansicht nach bei weitem. Ein Blick in Länder, die keine freien Medien zulassen beweist das.

    Es hat nun einmal ein Strukturwandel stattgefunden, der sich kaum rückgängig machen lässt, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen. Natürlich verstehe und teile ich deinen Ärger über unqualifizierte und persönliche Kritiken. Aber um wieviel besser wäre es in einer Qualitätszeitung verrrissen zu werden? Auch das kann passieren, auch dort drückt ein Mensch mit einem spezifischen Geschmack seine Meinung aus. Nur wird diese dann von Vielen viel ernster genommen.

    Um es pathetisch auszudrücken: Du zahlst den Preis des Ruhmes 😉 Neider gibt es immer und Leute, die nur nach Schwächen suchen. Immerhin robben vor dir noch nicht die Paparazzi am Boden und versuchen einen Schnappschuss unter deinen Roch zu erhaschen.

    Tapfer bleiben, Kopf hoch!
    Gudrun

    • 1. September 2010 19:21

      In der Tat kann das Internet eine Demokratisierung bedeuten – aber, und hier kommt es, ihr fehlt zunehmend die Qualität. Wenn es um das Millionenfache mehr Blogs (zum Beispiel) gibt, gibt es um Millionen mehr Nonsens. Und wieviele Dinge haben sich bereits als falsch erwiesen …
      Ich bleib dabei, man sollte was vom Geschäft verstehen, und man sollte nicht alles blind online stellen, nur weil man halt jetzt einfach kann.
      Jedes Manuskript wird üblicherweise mehrfach gelesen – im Lektorat, extern, von Testlesern oder Kollegen …

      • Gudrun permalink
        2. September 2010 09:18

        Ich glaube, wir haben beide recht, setzen nur die Schwerpunkte unterschiedlich und darüber werden wir uns vermutlich nicht einigen können. Tatsache ist jedenfalls: Das Internet existiert, du nutzt es für dich und es hat – wie alles – eben auch Nachteile, mit denen umzugehen uns allen nicht erspart bleibt. Ob das nun unqualifizierte Postings sind oder Penis-Enlargement-Spam. Ich fürchte, dass Gelassenheit die einzig mögliche Reaktion ist.

      • 2. September 2010 09:26

        Ja, wahrscheinlich haben wir beide recht. ;-))

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